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Ein Kult: Abfackeln der Statuen - aus Mangel an Vieh.

Einen Kult zu betreiben wurde zu einer ausserordentlich unpraktischen Angelegenheit. Das Opfern von Tieren kommt heutzutage nicht in Frage. Das Verbrennen von gesunden Tieren könnte den Ökoenthusiasten und Verteidigern des Lebens mißfallen. Die Verbrennung von Kranken bleibt die Kopie einer Praxis, die in der Periode der berüchtigten und allgemein bekannten Viehkrankheiten in Westeuropa künstlerisch ausgedient hat.
Auf diesem Hintergrund ist es unschwer, den Untergang eines solchen, wie beispielsweise Hemingway zu begreifen, dessen Werk kaum Beachtung, weder bei Feministinen, noch bei Guerillias der Lebensapologie geschenkt wird.

Hier aber haben wir es offensichtlich mit Kunstwerken zu tun.
Die Skulpturen von Kamil Sipowicz sind Kultobjekte in reiner Form. Ohne Tempel und entkleidet vom Ritual rufen sie nach ihrem Kaplan, der aus unbekannten Gründen nicht auf der Bühne erscheint.

Isoliert und einsam sind sie ein Abdruck der geheimen, aus der Vorstellungskraft geschöpften, veranschaulichten und "unwirklichen Verwirklichung", über die der große Philosoph des Anfangs des XIX Jahrhunderts spricht. 

Sie sind das Bildnis der Gottheiten und auch der etwas kleineren Abgötter, die im Raum der modernen Kunst stehen, als ob sie auf den Grund der Zeit gelaufene Raumschiffe wären.
Das Ausstellen und Präsentieren von Statuen wird heute nicht gern gesehen, ausgenommen sie werden ab sofort dem Zeugnis einer eindeutigen und offenbaren Deformation dienen.
Und dies besonders in einer Zeit, in der das Gegenteil, nämlich das Umstürzen der Skulpturen zu einem gängigem Brauch wurde. 

Denkbar wäre es, die Skulpturen abzufackeln, was ich dem Künstler, in voller Bescheidenheit, raten würde. 

Dann wird er aber zu einem von vielen Bekennern des allgemeinherrschenden Kults des Niederreissens uns Ausradierens. 
Wahrhaftig hat uns unsere Epoche nicht viel zu bieten.

Nichts desto trotz sind die Skulpturen bodenständig und geben einem, wenn ich es so ausdrücken darf, nachzudenken.

Und es gibt viel nachzudenken. 
Sind sie nicht ein klarer Akt der Einsamkeit des Künstlers?
Des Künstlers der bewusst den Faden der Übereinkunft mit der Kultur unserer Zeit durchtrennt und der sich von der öffentlich vorherrschenden Kunst abwendet?

Die Skulpturen sind weder Opfertiere noch sprachlose Denkmale der vergessenen, anonymen Zivilisation. Sie entstanden auf Grund einer Faszination über die Materie und sie bleiben im Grunde genommen weiterhin Materie. 

Was an ihnen entsetzt, ist die Abwesenheit dessen, was man heute die Geste des Künstler oder seine Signatur nennt. Eine Signatur ohne Bild? Es geht. Aber ein Bild ohne Signatur ist und bleibt Beleidigung und Lästerung. Am Ende sind wir also vom Kult zur Lästerung gekommen. Es ist wahrschilich eine Lästerung, die ohne versteckte Absicht abseits des Dialogs mit moderner Kunst entstanden ist.

Ist es aber nicht so, dass die wahre Lästerung einfach die Unkenntnis des Barbaren bleibt, der uns die nackte Schöpfung seiner Ketzerei vor Augen stellt?

Der Kult - Die Lästerung - Die Ketzerei. Dies ist die Figur, die selbst für den Geschmack eines Claqueur verdaulich scheint.

Obwohl angesiedelt in einem idiotischem Raum der Galerie, in dem sich noch ein leichter Gestank von billigem "Vernisage-Wein" (aus der Zeit) der früheren Eröffnungen hängt, entreissen sich Sipowicz´s Skulpturen ins Freie - 
in den Garten, in dem ich sie gesehen habe, als ich mit meinem Freund über die unendlichen Perspektiven der Xenologie, die Tyranei von geschäftstüchtigen Frauen und einer unersetzlichen Einsamkeit unbeholfener Männer disputiert habe.

Hier geht es vor allem um die unruhestiftende Anwesenheit von Messalina, deren dreifache Clitoris in einer wenig angenehmen Weise an die nichterfüllte Verpflichtung gegenüber der Heiligen Dreifaltigket erinnert. 

In ihrem Schatten versteckt sich der zurückhaltende Moloch, der unvermeidlich meine Gedanken in Richtung der Idole der Stadien und der feierlichen Messen im Freien lenkt.

Der Kaligula, dagegen fordert die Erwähnung der aus unserem Bewusstsein gelöschten Bräuche, in denen der Höhepunkt von Empfängen in einem Mord oder einer anderen spektakulären Brutalität mit melodiöser Zitterbegleitung bestand.

Die furchterregenden indischen Gottheiten lassen mich - am Ende - auf angenehmen Erinnerungswellen ans Ende der Sechziger gleiten. 
Damals waren Raga und Sanskryt eher zugänglich, als Nylon-Strümpfe und Mofas.

Also doch das Verbrennen als Ergänzung des Akts des Künstler?

Nach einer Weile des Überlegens muß ich diesen Gedanken doch ablehnen. Die Statuen, von denen gesprochen wird, liegen heute auf mysteriöserweise verbrannt in Schut und Asche. Bis die Zeit kommt, eben. 

Wenn sie in dieser, sprachlosen, angebrannten Ewigkeit ruhen möchten, sollen sie dies tun und bleiben, was sie in Wirklichkeit sind: Eine Abwertung des Rindfleisches - dieser angenehmen Nahrung der Götter.

Übersetzung: Christoph Lipowicz

  
  
  
  

www.kamilsipowicz.pl
projekt i wykonanie: Maciek Wicherkiewicz
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